Finnland

Aktuelle Temperatur in Ivalo

 

Zur Startseite
Inari-Tour 1997
Inari-Tour 1998
Inari-Tour 2001
Inari-Tour 2004
Kurzinfo Inari-See
Homepage Tapani Lappalainen
Email an den Autor
 

Viel Platz um den Hauptbahnhof in Helsinki.

Das Denkmal "Die Schiffsbrüchigen" ...

Die Landstraße Nr. 4 - ein Weg durch den Urwald.

Ein loderndes Kaminfeuer und die obligatorische Kanne Kaffee.

Der Tenojoki...

Inari - eine Lapplandfahrt, 1. Teil

Kapitel: Der Inari-See vor über 70 Jahren

Auf den Spuren von Curt Biging
Inari - eine Lapplandfahrt

Einer der besten deutschsprachigen Reiseberichte vom Inari-See und Lappland stammt aus den zwanziger Jahren. Der deutsche Arzt und Politiker Curt Biging bereiste damals auf recht abenteuerliche Weise den riesigen See in Lappland und berichtet von einem Leben dort, wie es heute nicht mehr so anzutreffen ist. Die NORDLANDSEITE besuchte einige Stationen seiner Reise heute über 70 Jahre später.

Auf den Vorseiten in dem Biging-Buch ist das Denkmal "Die Schiffsbrüchigen" von Robert Stigell (1898) abgebildet, welches in Helsinki nahe dem Hafen auf dem "Observatorieberget" zu sehen ist. Für Biging steht dieses Denkmal für "Hals- und Beinbruch". Das hatte Biging auch dringend nötig zu einer Zeit, als es noch keine GPS-Geräte und Mobiltelefone gab und er im Sturm über das Meer der Samen irrte.

Anreise

Seine Reise tritt Curt Biging wahrscheinlich 1927 oder 1928 an, als er um die 40 Jahre alt ist. Seine Reiseerzählung beginnt in Helsinki, und mit dem Zug fährt Biging nach Rovaniemi:

"Die händlerische Betriebsamkeit der Stadt wird am besten dadurch illustriert, daß auf acht Einwohner ein Auto kommt." (S. 32)

"Zwei Autolinien fahren gen Norden: die Post und die Lapinjuna (der Lapplandzug). Beide führen ausgezeichnete Brockway-Wagen vom Autobustyp ohne Decksitze. Die Federung ist gut, die Sitze sind bequem, man übersteht die zwölfstündige Tour bis Ivalo (295 Kilometer) ohne jede Unbehaglichkeit." (S. 33)

Von dem Rovaniemi, wie es Biging kennen lernt, bleibt im 2. Weltkrieg nicht mehr viel übrig, die deutsche Wehrmacht brennt die Stadt auf ihrem Rückzug vom Norden nieder.

Flugzeug

Heute im 21. Jahrhundert wähle ich das Flugzeug als Reisemittel und erreiche den Inari-See nach wenigen Stunden vom Flughafen Düsseldorf aus mit einem kurzen Zwischenstopp in Helsinki. Das Flugzeug hat ebenfalls wie der Brockway-Wagen keine Decksitze; darum bin ich eigentlich recht froh. Aber bequem ist es drinnen trotzdem nicht, weil es sehr eng ist. Nach fast vier Stunden reiner Flugzeit bin ich erleichtert, aus der Konservenbüchse wieder heil heraus zu kommen. Mein Gepäck wiegt rd. 30 Kilogramm, Biging  reiste mit 135 Kilogramm schwerem Gepäck - mit dabei ein Klepperboot für seine Fahrt über den Inari-See.

Einige Kilometer südlich vor dem Kirchdorf Inari beziehe ich eine kleine Holzhütte bei "Pätilän Mökit" auf Uruniemi. Bei meinen weiteren Reisevorbereitungen hilft mir Sauli Pätilä, der hier während der Sommermonate seine Eltern unterstützt.

Die Finnen haben hier noch ihre eigenen Götter, aber dass gibt keiner von  ihnen zu. Der Götterchef ist Donnergott Ukko, und der hat sogar eigene Inseln auf dem Inari-See!

Der Inari-See vor über 70 Jahren

Curt Bigings erste Fahrt auf den Inari-See erfolgt von Ivalo aus. Seine Karte hat "nur" einen Maßstab von 1:400 000, während ich eine im Maßstab von 1:50 000 benutzen kann. Auch habe ich ein Mobiltelefon mit dabei – natürlich nur für den Notfall. Auf ein GPS-Gerät verzichte ich, statt dessen orientiere ich mich in klassischer Form mit einem Wanderkompass, der keine Batterien braucht. Das Biging-Kanu tausche ich mangels Erfahrung gegen ein kleines Motorboot.

Grippe

Von Ivalo aus steuert Biging mit seinem Klepperboot die Insel Mahlatti an und erkrankt dort an einer fiebrigen Grippe. Nach drei Tagen erholt sich der Inari-Paddler:

"(...) der böse Geist vermag den Ansturm von Salizylsäure, Chinin und Akonit nicht standhalten." (S. 45)

Bigings erstes Ziel ist das Kirchdorf Inari. Auf der Fahrt dorthin erlebt er die Besonderheiten des lappländischen Wetters. Eben noch will er ein Foto von dem Wolkenschauspiel machen, im nächsten Augenblick wird sein Boot von den Wellen fast umgeworfen. Im dichten Regen kann er ans Ufer flüchten. Diese Bucht tauft er "Rettungsbucht".

Pfarrer und Thule

Im Kirchdorf Inari wird Biging von dem Pfarrer Itkonen herzlich aufgenommen. Mit ihm fährt er nordwärts nach "Thule", dem Hof von Uno Vaenerberg - ein wohl damals bekannter Mann zwischen Ivalo und Utsjoki, weil er dort die Post einsammelt und austeilt. Für seine Botendienste benutzt Vaenerberg einen uralten Ford:

"Man muß nur einmal den Weg zwischen Ivalo und Inari gesehen haben, um Respekt vor dem alten Klapperkasten zu bekommen. Ein Wagen, der jahrelang fast tagtäglich diese Strecke zurücklegt, ohne sich dabei in seine Bestandteile aufzulösen, verdient aufrichtige Hochachtung." (S. 61)

Radwege auf der Landstraße

Die Landstraße Nr. 4 zwischen Inari und Ivalo ist mittlerweile gut ausgebaut. Im Sommer 2002 haben sogar die Arbeiten für einen Radweg entlang der viel befahrenen Landstraße begonnen, der etwa vier Kilometer vor dem Kirchdorf beginnen soll.

Meine Recherchen in Inari, etwas über dieses sagenhafte Thule zu erfahren, bleiben leider erfolglos. Eine Familie Vaenerberg ist hier nicht bekannt. Auch die Busfahrer, die zwischen Utsjoki und dem Kirchdorf pendeln, wissen nichts von diesem damaligen Postboten. Dabei muss dieser Vaenerberg - oder auch Veneberg - einen großen Hof etwa 15 Kilometer nördlich von Inari bei dem Ort Kaamanen gehabt haben. Dieser Hof war wohl damals der touristische Anziehungspunkt in Lappland, denn viele Reisende suchten hier Rat und Hilfe.

Finnischer Kaffee

Sauli lädt mich zu einer Tasse Kaffee ein – es ist frischer Bohnenkaffee. Sonst ist hier die Kaffeekultur, wie eigentlich in ganz Skandinavien meiner Meinung nach eher grauenvoll. Wer kennt sie nicht, die ewig erhitzen braunfleckigen Glaskannen auf den Heizplatten neben den Kassen an den Tankstellen, Hotels, Bars oder Restaurants. Nur die Erinnerung an den heimischen Kaffee lässt mich morgens endgültig wach werden, ansonsten bereitet mir der finnische Kaffee Kopf-, Hals-, Mund- und Magenschmerzen. Aber der finnische Kaffee ist - oder war zumindest - etwas spezielles. Oft stecken die Finnen ein Zuckerstück in den Mund und schlürfen dadurch ihren Kaffee:

"Kaffee ist das Nationalheiligtum in Lappland. Selbst die Männer trinken ihn mit Behagen, wenn sie nicht gerade einmal heimlich destillieren oder geschmuggelten Schnaps erwischen. Man kann nicht behaupten, daß der Kaffee, den man in Lappland zu trinken bekommt, immer gut ist, aber rein ist er auf jeden Fall. Die Frauen brennen ihn selbst, und dabei kommt natürlich bisweilen ein recht merkwürdiges Aroma zustande. Außerdem benutzen sie Kaffeemühlen, die offenbar von den ersten Missionaren vor einigen hundert Jahren ins Land gekommen sind und die Schärfe ihres Gebisses eingebüßt haben. Die grobe Mahlung gestattet natürlich keine gründliche Ausnützung des Kaffees, doch kaum wird eine Hausfrau es wagen, einen Zusatz anzuwenden. Eine Pfarrersfrau soll es einmal riskiert haben, als die Frauen des Kirchspiels von ihr bewirtet wurden. Es hat Jahre gedauert, bis die Frau sich rehabilitiert hatte. Auch ihres Mannes guter Ruf war dahin, denn wie kann man zu einem Pastor Vertrauen haben, dessen Frau sich nicht schämt, ihre Gäste mit Kaffeezusatz zu betrügen. Das kommt gleich hinterm Renntierstehlen." (S. 63f)

Fahrt über den Inari

Zurück von Thule wird Biging zu einer Fahrt mit einem anderen "Postagenten" entlang des Inari-Sees eingeladen, um von dort dann weiter die 150 Kilometer zur Eismeerküste weiter zu reisen. Dabei passieren sie u. a. eine Fischerhütte namens Tukha-Sammeli, wo der Sandstrand dunkel violett schimmert. Rauchquarz, so vermutet Biging auf Seite 75.

Fast genau auf dem 69. Breitengrad macht die kleine Gesellschaft Halt neben einer idyllischen Bucht mit einer wild romantischen Landschaft:

"Der Postmann führt mich zu einem riesigem Felsblock, der alles überragt; der Block liegt hohl auf kleinerem Felsen und bildet eine natürliche Höhle. Er ist schon von weitem sichtbar und stellt eine Landmarke dar, die keine Verwechslung gestattet." (S. 76)

Einige Kilometer weiter rasten die Männer zu einer Kaffeepause auf Akuniemi. Der Postmann erzählt von einer "echten Lapinkota" in der Nähe:

"(...) und fahren zu einer Insel hinüber, die bei den Eingeborenen Akusaari heißt; auf der Karte trägt sie keine Bezeichnung. Beim Laden kommt uns eine mittelalterliche Lappenmadam entgegen. Es sieht wenig luxuriös hier aus, zerrissene Netze sind ausgebreitet, verwahrloste Boote liegen herum. An den abgebrochenen Zweigen von niedrigen Bäumen und Sträuchern stecken getrocknete Fischköpfe; (...) und glaube erst daß es sich um einen Aberglauben handele. Später erfahre ich, daß diese Sitte einen sehr realen ökonomischen Hintergrund hat; vor dem Winter werden diese Fischköpfe eingesammelt, und man kocht aus ihnen eine Suppe, die als Kraftfutter für das Vieh verwendet wird, um der Nahrung der Tiere die nötigen Phosphate und Eiweißstoffe zuzusetzen, weil das Wiesenheu wenig Bestandteile dieser Art enthält." (S. 78)

Mit dem Fotoapparat macht Biging einige Bilder:

"Ich photographiere auch ihre Villa, einen etwa anderthalb Meter hohen unterstandsähnlichen Bau aus schräggestellten Knüppeln, die mit Erde beworfen sind. Innen steht ein primitiver Kamin aus horizontalen geschichteten, flachen Steinen, wie man ihn in allen Hütten dieser Gegend findet. Der Fußboden, der mit dem Erdboden identisch ist, hat einen Teppich aus zerschnittenen Zweigen. Außer einem Hocker ist kein Unrat zu sehen, es hätte auch keinen Platz. Wo und wie die Frau in diesem Loche schläft, weiß ich nicht; vermutlich rollt sie sich wie ein Igel zusammen." (S. 78)

weiter...

 

Alle Rechte bei der  NORDLANDSEITE, 2003

nach oben

  Übersicht:
* Biging 1. Teil
  Biging 2. Teil
  Biging 3. Teil
 

Biging 4. Teil

 

 

Jetzt wurden sogar die Gleise überdacht.

... am Hafen von Helsinki. Im Hintergrund die Fähre FINNJET.

... Heute komfortabel, bald mit Radwegen beim Kirchdorf.

So einen Kamin gibt es noch im Museum Siida in Inari zu sehen.

... Grenzfluss zwischen Norwegen und Finnland